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Atmo: Park und Kinder

In einem großen parkähnlichen Gelände am Rande der Taunusgemeinde Idstein stehen die gelben und weißen Gebäude des sozialpädagogischen Zentrums Kalmenhof. Hier wohnen rund 200 Kinder, Jugendliche und auch behinderte Erwachsene in kleinen Gruppen ,oder sie kommen tagsüber zur Betreuung in diese über hundert Jahre alte Einrichtung des Landeswohlfahrtsverbandes.

Es gibt Werkstätten, Schulen, den Gutshof, ein Spiel-und Sportgelände, um den Bewohnern mit ihren unterschiedlichen Defiziten gerecht zu werden.

Das war nicht immer so.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier geistig Behinderte ermordet und auch nach dem Krieg war der Kalmenhof ein Ort des Schreckens für die jährlich mehr als 1.ooo " Zöglinge."

Einige von ihnen haben jetzt den "Verein ehemalige Heimkinder" gegründet, um gemeinsam die schlimme Vergangenheit aufzuarbeiten. Der Landeswohlfahrts-verband lud sie zu einem Besuch auf den Kalmenhof ein, für Volker Spiegler war das nicht einfach

Take 1

Hier rein zu kommen, den Boden zu betreten, das war eben nicht gut. Man war hier, man hat vieles miterlebt, ich find’s ätzend, im Moment hier zu sein. Bei den ganzen Psychologen, die ich hatte, die haben mich gefragt "lassen ses raus, lassen ses doch raus. Ich konnts einfach nicht, das war keine Erziehung, das war einfach ne Misshandlung.

"Aufbewahren, anpassen, abschrecken", so das Motto der Heimerziehung bis Ende der 60er Jahre. Studenten und Sozialpädagogen machten die Missstände öffentlich. Es kam zur sogenannten Heimkampagne in Hessen. Jugendliche liefen aus den Einrichtungen weg und fanden vor allem in Frankfurt Unterschlupf bei "studentischen Genossen", wie es damals hieß. Die Medien berichteten breit über die alltäglichen Schikanen vor allem im Kalmenhof , kritisierten den damaligen Direktor Göschl, der qualifizierte Mitarbeiter vertrieben und sich an der Arbeit der Behinderten bereichert haben sollte. Der Landeswohlfahrtsverband, die Landesregierung, die Jugendämter, Studenten und Universitäten schlossen ein große Koalition,"um die erzieherische Situation zu erforschen, Reformvorschläge auszuarbeiten und verwirklichen zu helfen."

Das alles hat Heinz Peter Junge, zweiter Vorsitzende des "Vereins ehemaliger Heimkinder" aber nicht mehr erlebt.

Take 2

Net nur dass ich mit dem Ochzenziehmer geschlagen worden bin oder mit dem Keilriemen oder auch mit ner Dachlatte mit nem langen Nagel wo ich also fast meine Niere verloren hätte, oder dann zusehen musste, wie behinderte Kinder bei der Ernte geholfen haben, misshandelt worden sind von unserem damaligen Landwirtschaftsmeister, der also ganz brutal auf die Kinder – Mongoloiten oder ob sie geistig behindert waren, eingeschlagen hat, es waren ja damals alles Kinder zwischen 14 und 16 Jahren, die dann also einen Stein genommen haben haben den auf den Acker gelegt und haben sich mit der Axt den Daumen abgeschlagen, nur weil sie die Dinge nicht mehr ertragen konnten, oder haben sich mutwillig Knochenbrüche zugefügt, nur damit sie ins Krankenhaus kamen und dass sie diesen Misshandlungen nicht mehr ausgesetzt waren. Ich hatte sehr viel Probleme damit, als ich hier entlassen wurde, ich konnte mich also in der Gesellschaft nicht mehr eingliedern, hab viele Jahre gebraucht, das ging über Alkohol, Drogen, Gefängnis, drei gescheiterte Ehen usw. und alle die Geschichten

Der Besuch auf dem Kalmenhof erschütterte ihn zutiefst.Sein ganzes verpfuschtes Leben lief vor ihm ab, als er die alten Gebäude wieder sah.

Take 3

Ich konnte mit niemanden sprechen, die Leute haben immer gedacht, warum ist der so aggressiv, warum tut er so was oder sonst dergleichen, ich konnte es auch keinem erzählen, wem sollte ich das erzählen, wer versteht das, das versteht doch keiner. Ich hab viel schlimme Sachen gemacht, viele Menschen verletzt, viel Ärger mit der Polizei gehabt und wegen Schlägerei und Körperverletzung, hab viel Strafe bezahlen müssen, das sind Dinge, die man nicht mehr gut machen kann. Das ist eine ganz schwere Last, die auf den Schultern sitzt und ich hoffe nur, dass ich das schaffe, dass ich net an dem zerbreche, man hat ja auch ein schlechtes Gewissen, was man danach gemacht hat, wem soll man da jetzt die Schuld geben? Soll man jetzt dem Kalmenhof die Schuld geben, dass die ganze Jugend versaut war, dass man zum stadtbekannten Schläger geworden ist oder sonst irgend etwas, dass man kriminelle Handlungen gemacht hat, dass man Ehen kaputt gemacht hat, dass man alkohol- und drogensüchtig war, wen will man verantwortlich machen jetzt, es ist keiner mehr da, den man verantwortlich machen kann, und das ist ja die schlimme Sache daran, dass man dann hilflos ist.

Der neue Verein soll dieser Hilflosigkeit begegnen und eine Plattform für all jene sein, die ihre Erlebnisse im Kalmenhof bisher niemandem mitteilen konnten.

Auch für den LWV, den heutigen und damaligen Träger, sind solche Treffen wichtig, denn, so Jörg Daniel der Pressesprecher:

Take 4

Das war ein sehr langer Prozess, das war 1969-71, als die ersten Aufarbeitungen begonnen, sicher noch nicht so ausgeprägt.

Denn als die Missstände in den Heimen offenbar wurden, dauerte es einige Jahre bis zum wirklichen Neuanfang. Josef Hörtreiter vom LWV

Take 5

Wir brauchten viel mehr Geld damals, dann der ganze Bereich der Berufsausbildung war neu zu ordnen und noch weiterhin versucht, Heimerziehung auf den Bereich zu beschränken, wo er wirklich notwendig ist. Viele von den Menschen, die heute hier sind, die hätten eigentlich in Familien gehört und nicht in ein Heim, sehr sehr vieles von dem ist in Hessen zuerst oder mit zuerst entstanden, d.h., wir waren dabei bei der Entwicklung

Der alte Leiter wurde abgelöst, das Personal geschult und Fachkräfte eingestellt, Supervision und Erziehungspläne eingeführt, so dass die heutige Heimerziehung mit damals nicht mehr zu vergleichen ist.

Take 6

Wir waren halt verurteilt zu Feldarbeiten, zu schweren Arbeiten oder eben zu minderen, wir waren nicht lernfähig, wir waren nicht fähig, ne Ausbildung zu machen, wir wurden einfach eingeschätzt und abgestempelt, und das wars dann. Wir hatten ja auch diese Leute, die hier Dienst gemacht haben, die also bei der Waffen-SS gedient haben, die ja auch natürlich die brutalsten Kameraden waren, so war das eben. Mein Vater war Alkoholiker und meine Mutter war labil und so weiter und bums aus wars, ich war abgestempelt gewesen, hab ein Brandzeichen auf mein Hinterteil bekommen und das wars

Josef Hörtreiter vom LWV erinnert sich an die Haltung der damaligen Erzieher:

Take 7

Eine Pädagogin, die durchaus wohlmeinend war, hat gesagt die Mädchen, die zu uns kommen, die kriegen eine einmalige Chance, wir lesen keine Akte, bei uns kann jeder neu anfangen, und all das, was sie mitgebracht haben an Vorerfahrungen, an Familie – so problematisch das sein mochte, es war Bindung da – all das war weg und es wurde versucht, tabula rasa zu machen und sie "durften" neu anfangen und alles das, was ihnen bisher wichtig war, wurde ignoriert. Das war im Grunde genommen vordemokratisches Gut.

Kinder hatten keine Rechte, es gab nur wenige ausgebildete Erzieher und keine Kontrolle der Erziehungsmethoden, deswegen hat Volker Spiegler den Kalmenhof

Take 8

...früher als Knast betrachtet, nicht als Heim. Kalmenhof, das war für mich Hölle auf Erden, weil die Fenster waren ja vergittert, trotz Gitter, wir sind durch die schmalen Gitter sind wir als Kind durchgeklettert und sind abgehauen. Ich hab’s mit dem Gummischlauch gekriegt, Gummischlauch immer aufn Rücken oder aufn Hintern und da wurde ich dann im Zimmer an mein Bett gefesselt und dann immer noch mitm Schlauch, das ist ein Trauma.

Für ihn war es aber ein Trost, dass diese Form der Entmündigung und Misshandlung wirklich der Vergangenheit angehört.

Der pädagogische Leiter des Kalmenhofes Bernd Lang-Hagel über den Alltag heute:

Take 9

Es sieht so aus, um es mal ganz plakativ zu schildern, wir machen das in der Regel zweimal im Jahr, federführend dafür ist das Jugendamt zuständig, man trifft sich, die Jugendamtsmitarbeiterin und der Jugendamtsmitarbeiter kommt in der Regel hier her, die Bewohnerin/der Bewohner ist anwesend, die Eltern so weit als möglich sind anwesend, die Gruppenbetreuerin evtl. ne Bereichsleiterin wie wir das nennen vor Ort ist hier anwesend, das was besprochen wird, was ist in den letzten Wochen und Monaten geschehen,was soll jetzt zukünftig geschehen, wird protokolliert. Schule, das darf ich nicht vergessen, ist in der Regel beteiligt. Das wird protokolliert und wird von allen auch per Unterschrift dokumentiert und dann gehen die nächsten Schritte weiter. Also es ist einerseits ne Form der Dokumentation der Festlegung auf gemeinsame Ziele, es ist aber auch gleichzeitig ne Kontrollfunktion was geschieht denn da eigentlich. Und glauben Sie nur nicht, wenn ein Kind, was in einzelnen Fällen vorkommen kann, ich stell das nicht in Abrede, es gibt immer mal wieder Situationen, wo es zu Übergriffen auch heute noch kommen kann, Überforderung, was immer ne Rolle spielen mag, es wird nur gänzlich anders damit umgegangen.

Heinz Schreyer war wohl das einzige Heimkind, das zusammen mit seiner als geisteskrank eingestuften Mutter Elfriede auf dem Kalmenhof leben musste.

Beim Rundgang über das Gelände blieb er immer wieder stehen und sagte:

Take 10

In diesem Haus hier hat meine Mutter schwer gearbeitet, sie hat von morgens um 7 bis abends um 10 meistens dort Kartoffeln geschält oder Essen vorbereitet. Das ist für mich ein Horror, vor allem der Hof hier vorne, da kam meistens der Hofbauer und hat uns abgeholt für den Ackergang. Da mussten wir praktisch auf dieses Auto steigen, sind durch ganz Idstein gefahren bis hoch nach Gassenbach und da haben die Leute geschrieen da kommen die Idioten. Und wir mussten 12 Körbe mit Mohrrüben füllen, und wehe die waren nicht voll. Im Hintergrund war ein Aufpasser mit nem Schäferhund und wir konnten auch gar nicht abhauen, es ging gar nicht,und wehe wir haben ne Mohrrübe gegessen, das war nicht möglich.

In der Hand hatte er ein Blumengesteck und wanderte zielstrebig vom Jugendhaus den Berg hoch zur neuen Gedenkstätte, wie damals als Schulkind im Kalmenhof

Take 11

Wir sind ein Leben lang an diesem Massengrab vorbei gelaufen und das ohne zu wissen. Meine Mutter hat mir mal ab und zu was erzählt, aber ich war damals selber zu jung, ich war damals 12 Jahre, ich konnte damit nichts anfangen, aber im Nachhinein muß ich sagen, sie hat Recht gehabt, und da hat sie mich gebeten drum, ich soll in ihrem Namen diese Gesteck niederlegen, als Zeichen, dass sie überlebt hat. Meine Mutter hat einfach Glück gehabt, dass sie davon gekommen ist.

Elfriede Schreyers Verwandte kamen während der Bombenangriffe in Kassel ums Leben. Man brachte die Zwölfjährige im Kalmenhof unter. Es war die Zeit der Euthanasie, der Vernichtung unwerten Lebens, wie es damals hiess. Die Schwestern bekamen wegen der Belastung 3o Reichsmark mehr und eine Kopfgeldprämie , einige nannten sie Schmutzgeld, von 5 RM für jedes getötete Kind. 7oo Leichen wurden heimlich verscharrt.Auf dem Gräberfeld legte man später den Schulgarten an und pflügte die Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes unter. Wie überlebte Elfriede Schreyer diese Zeit.

Take 12

Ich weiß von Erzählungen her von meiner Mutter, dass sie einmal im Krankenhaus war, sie hatte Halsschmerzen, und da wäre ein Arzt gekommen mit einer Spritze und da hat meine Mutter gefragt, was ist mit dieser Spritze und da hat er ihr gesagt, damit du dich gut fühlst, und meine Mutter hat eine panische Angst bekommen und hat ihm die Spritze aus der Hand geschlagen und eine Krankenschwester, ich weiß nicht welche das war, hat sie versteckt im Medizinschrank und dadurch hat sie irgendwie überlebt.

Wie manch andere überlebte sie aber auch, weil sie sich nützlich machte und gebraucht wurde.

Take 13

Sie hat in der Hauptküche gearbeitet, hat Kartoffeln geschält, Salat vorbereitet und musste sogar noch die hohen Herren bedienen im Kasino und meine Mutter musste ein schwarzes Kleid anziehen mit einer weißen Schürze und so nem Käppi auf dem Kopf und hat die bedient.

Eine Schule durfte sie nie besuchen, sie galt als sauber aber sexuell haltlos, obwohl bis heute nicht geklärt ist, ob ihre erste Schwangerschaft das Ergebnis einer Vergewaltigung war.

Nach der dritten Schwangerschaft wurde sie vermutlich in Marburg sterilisiert, der Sohn versucht noch immer ,an die Unterlagen heranzukommen.

Er wuchs bis zu seinem elften Lebensjahr in einem Heim getrennt von seiner Mutter auf, dann kam auch er in den Kalmenhof

Take 14

Als allererstes hat man mir die Haare abgeschnitten und von da aus kam ich dann in die Gruppe 2 in das Bubenhaus. Ich habe schöne Klamotten gehabt, ich habe tolle Sachen gehabt damals aus dem Kinderheim, Spielsachen die die hier im Kalmenhof gar nicht kannten und das hat man mir alles weggenommen und ich habs verschenkt um Ruhe zu haben. Und dann hab ich die Anstaltsklamotten gekriegt mit der Nummer K 78 E, das heißt Kalmenhof 78 Eigentum und mein erster Tag hier war für mich der schlimmste, weil wir mussten gemeinsam duschen gehen und ich wars nicht gewöhnt. Ich war nicht gewöhnt, dass ich mich ausziehen musste vor einer Erzieherin die 20 Jahre war.

Und so begann sein Leben im Kalmenhof , 7 Uhr aufstehen, Schule , in der Landwirtschaft helfen und strenge Disziplin beim Essen

Take 15

Was ich am schlimmsten fand ist, wie wir behandelt wurden. Wir waren Dreck, und ich besonders, weil ich der Sohn von der Elfriede war, die hier auch war, meine Mutter. Mich hat man "Bastard" genannt, meistens jedenfalls.Selbst die Kinder haben getuschelt: das ist der, der Bastard ist das. Das war für mich schlimm gewesen, ich kam mit der Situation auch nicht zurecht. Abhauen wollte ich aber auch nicht, weil ich Angst hatte abzuhauen. Ich wusste nicht, was danach kommen könnte.

Irgendwann sollte er, ohne dass die Mutter gefragt wurde, adoptiert werden. Weil er angeblich schwachsinnig aussah, zerschlug sich dieser Plan. Heinz Schreyer machte später seine Lehre als Maler und ist heute Vater von zwei Kindern.

Im Unterschied zu den anderen ehemaligen Kalmenhof-Zöglingen kämpft er vor allem für die Anerkennung der Leidensgeschichte seiner Mutter

Take 17

Die ist mit 39 Jahren aus dem Kalmenhof entlassen worden mit 5000 Mark und das für 27 Jahre im Kalmenhof. Man hat meiner Mutter niemals die Gelegenheit gegeben, sich frei zu bewegen, sich frei zu entfalten und mir kam manchmal so der Gedanke, ich bin dann so gedanklich spazieren gegangen, und hab meine Mutter gesehen in so nem Arbeitskittel und da hat meine Mutter mich gefragt so in meinen Träumen, was machst du hier, und da hab ich gesagt, ich bin auf der Suche nach meiner Kindheit, nach mir selbst. Und da hat meine Mutter mir gesagt, sie hat viel mehr verloren, das sagt sie mir heute auch in der Wirklichkeit, ja, und sie hat sehr viel verloren, sie hat von ihrem ganzem Leben nichts gehabt und immer wurde sie geknechtet und ich möchte, dass endlich auch der LWV einsieht, dass er eine Vergangenheit hat. Ich kann heute den Leuten, die dort arbeiten, keinen Vorwurf machen, aber ich kann von ihnen verlangen, dass sie ihre Geschichte aufarbeiten und ich hoffe, dass irgendeiner vom LWV irgendwann einmal zu meiner Mutter persönlich geht und sagt Entschuldigung Frau Schreier es tut uns sehr leid, was damals passiert ist, das ist mir wichtig. Mir geht es nicht ums Geld, es geht einfach nur um die Anerkennung ihrer Geschichte, ich will das und dafür arbeite ich.


Elfriede Schreyer war 1943 Waise geworden, ihre Eltern bei einem Luftangriff in Kassel ums Leben gekommen. Die 12-Jährige kam über einige Zwischenstationen nach Idstein. Weil sie kaum sprach, erhielt sie in ihrer Fürsorgeakte den Vermerk „angeborener Schwachsinn“. Das bedeutete im Kalmenhof damals in der Regel den sicheren Tod. Denn in der Krankenstation des Fürsorgeheims, nur ein paar Meter vom Bubenhaus entfernt, in der sogenannten „Kinderfachabteilung“, wurden „Ballastexistenzen“, Kinder, die als „unnütze Esser“ bezeichnet wurden und deren Leben als „lebensunwert“galt, systematisch ausgerottet.

Um die hohe Zahl von Beerdigungen kostengünstig und nicht allzu auffällig durchzuführen, wurde in unmittelbarer Nähe des Krankenhauses mitten im Kalmenhof, auf einem Unkrautacker gleich hinter der Heimschule, ein Massengrab angelegt.Dort wurden die Opfer aus der „Kinderfachabteilung“ in mehreren Schichten übereinander begraben. Jedes dieser Massengräber hatte lediglich eine Nummer. Der Einmarsch der Amerikaner im Idstein 1945 machte dem Morden im Kalmenhof ein Ende. Das Töten der Menschen als „Ballastexistenzen“ wurde gestoppt, die wichtigsten Beteiligten verhaftet. Aber der Ungeist der NS-Zeit lebte noch lange weiter.

Elfriede Schreyer musste auch nach der Befreiung im Kalmenhof bleiben. „Sie wird stets Überwachung und Führung nötig haben“, heißt es 1946 in einem Akteneintrag über sie. Später, nachdem sie als 20-Jährige Anfang der 50-er Jahre erstmals Mutter geworden war, wurde ihr „sexuelle Triebhaftigkeit“ unterstellt. Sie selbst versprachsich von einem Mann, „endlich aus dem Heim herausgeheiratet“ zu werden. Wahrscheinlich wurde die traumatisierte junge Frau von Erziehern im Heim geschwängert. Mehrmals versuchte sie zu fliehen. An die Schläge mit dem Rohrstock, wenn sie gefasst wurde, kann sie sich noch gut erinnern. Eine Schule durfte sie nie besuchen. Viele der alten Erzieher und Angestellten im Kalmenhof blieben teils bis in die 60-er Jahre dort weiter beschäftigt.

1956 brachte Elfriede ihren Sohn Heinz zur Welt. Sie gab ihn trotz Druck nicht zur Adoption frei, so kam er, wie seine beiden Geschwister, direkt nach der Geburt in ein Säuglingsheim nahe Idstein. In den Fürsorgeakten steht, dass der Sohn der „schwachsinnigen“ Elfriede auch „schwachsinnig aussehe“ und daher nicht von einer Pflegefamilie akzeptiert werden könne. 1957 wurde Elfriede unter ungeklärten Umständen sterilisiert. In den ersten elf Lebensjahren sah Heinz seine Mutter nur bei einem einzigen Besuch im Kalmenhof. Erst 1967 ließ man ihn zu ihr. Heinz wurde ins „Bubenhaus“ eingewiesen, Gruppe zwei, im zweiten Stock. Nun war er zwar in Elfriedes Nähe, aber in den ersten Wochen bekam der Sohn seine Mutter kaum zu Gesicht. Die Kalmenhof- Dienstmagd arbeitete außer in der Küche und der Wäscherei in einer Bäckerei in Idstein, ebenfalls ohne jeglichen Lohn. Zudem putzte sie bei Angestellten, Lehrern und Direktoren des Kalmenhofes. Sie hatte in den Jahren der Euthanasie gelernt, dass ihr nichts geschah, solange sie arbeitete. Heinz sah seine Mutter nur, wenn sie ihn bei den Mahlzeiten im Speisesaal bediente. Im Laufe der Zeit kamen sich Mutter und Sohn im Heim etwas näher. Sie nahm ihn gelegentlich mit und zeigte ihm die Schreinerei, erzählte ihm vom Massengrab, in das sie beinahe auch gekommen wäre. Von dem Grab war jedoch nichts mehr zu sehen, und Heinz verstand nicht, was seine Mutter erzählte. 1968 kämpften die Kinder im Heim darum, dass sie lange Haare tragen durften. Doch der Chauffeur des Heimdirektors, der nebenher die Zöglinge mit seiner Haarschneidemaschine so gerne kurz schor, wehrte sich vehement gegen derartige Neuerungen. Er hatte Direktor Göschel auf seiner Seite.

Der zwölfjährige Heinz stand in der Hierarchie des „Bubenhauses“ recht weit unten. Er und seine Mutter galten als der letzte Dreck bei den Erziehern. Heinz wurde von ihnen „Bastard“ gerufen, und selbst die anderen Kinder tuschelten und stichelten. Das Leben im Heim war unerträglich für ihn, doch abhauen konnte er nicht – zu wem auch? Seine Mutter war, wie er, im Heim. Heinz nahm die Strafen hin, wie sie kamen. Er musste einmal zusammen mit anderen Jungen nachts barfuß im Schnee stehen, weil sie im Schlafraum in den Betten getobt hatten. Michael Fritz und der kleine Volker, die mit Heinz Schreyer zur gleichen Zeit im „Bubenhaus“ waren, wurden wiederholt mit anderen Kindern abends aus den Schlafsälen ins Erdgeschoss beordert, weil es zu laut geworden war. Sie mussten alle in die Knie gehen und die Arme ausstrecken. Auf die ausgestreckten Arme wurden schwere Bücher, oft waren es Bibeln, gelegt. Wer sie herunterfallen ließ, bekam Schläge mit Rohrstock oder Ochsenziemer auf die Hände.

Heinz und Elfriede Schreyer mussten sich manches Mal Sprüche anhören wie: „Dich haben sie wohl vergessen zu vergasen!“ Auf dem zum Kalmenhof gehörigen „Hof Gassenbach“ hatten zwei der besonders brutalen Erzieher alte Nazi-Tätowierungen, einer brüstete sich ständig offen mit seiner Zeit bei der SS.


6.12.1943 Akt.Zei. A ( II A ) :F.E.

An die Heilerziehungsanstalt Kalmenhof.

Nach frage von der Landesanstalt Eichberg. Wie lange und auf wesdsen Veranlassung befand sich das Kind in der Landesheilanstalt Eichberg. Können sie mir das Gericht namhaft machen, das den Fürsorgeerziehungsbeschluß gefaßt hat ? und ob das Kind im rahmen der Fürsorgeerziehung entwicklungs und erziehungsfähig ist.

22.12.1943

Heilerziehungsanstalt Kalmenhof wegen Platzmangl am 22.12 1943 nach Goddelau verlegt. Fällt unter Gruppe 3 Form C

am 22 auf den 23.10.1943 ist ihre Mutter Frieda Schreyer geb. Knober bei den Terrorangriff auf Kassel ums leben gekommen.

30.4.1944

An das Philippshospital Darmstadt, Mari Sieling geb. Knobel / sie wollte ihre Nichte das waisenkind E.Schreyer an Kindesstatt annehmen.

Unter zeichnet

Heil Hitler M.Siling

G.d.17.5. 1944

An Frau Sieling / teile ich Ihnen mit. das eine Annahme an Kindesstatt bei der Elfriede wohl nicht in Frage kommt, das eine Adoption nur bei körperlich und vor allen geisttig völlig gesunde Kinder veorgesehen sind. Wie ihnen ja bekanmt ist, liegt diese Vorraus setzung bei der Elfriede nicht vor, da sie als minderbegabt angesehen werden nuß.Eine Entlassung kommt wohl z.ZT. auch nicht in Frage. Das Mädchen bracht Beaufsichtiguug in einer Anstalt.

16.10.1944 Akt.Tei.S.3774 A.V.

Der Oberpresident des Provinzialverband Kassel

Die Jugendliche ( E.Sch.) ist kein Fürsorgezögling sondern untersteht als schwachsinniger Anstalts Pflegling den Landesführsorgeverband Kassel.Den schriftverkehr stets mit dem herrn Oberpräsident persöhnlich zu führen.

3.12.1945

An den Kalmenhof

Frage von Tante Marie Sieling. Ich bitte sie hier mit höflich mir umgehend mit zu teilen, wo sich meine Nichte E.Schreyer sich befindet. Die lezte Nachricht von Elrriede erhielt ich im februar.

13.12.1945

Gesundheitlich geht es Elfriede gut.

4.5.1946

Sie leidet an Schwachsinn mittleren grades. Sie ist gutmütig es fehlt ihr aber jede Selbständigkeit und umsicht Zur Selbaständigkeit wird sie niemals gelangen.

8.6.1946

Kalmenhof Direktor Ilge

Bescheinigung ! Beim Einmarsch der Amerikanischen Truppen durch unbekante Täter sind verschidene Kleidungsstücke abhanden gekommen Wir bitten um Kartenausgabestehle das zu berücksichtigen.

18.10.1949

3774 A.V. Dr.Sch.B./ Br Amtsvormundschaft Kassel

Bei der Patientin ( E.Sch.) besteht eine angeborener Schwachsinn mittleren grades ( Imbecillität )

Sie bedarf weiter der Behandlung in einer Heilerziehungsanstalt. Körperlicher Zustand ist Zufriedenstellend.

29.3.1952

Aktz.S 3774 A.V. Amtsvormundschaft Kassel

Elfriede infolge Körperlichen oder Geistiger Gebrechen auserstande ist sich selbst zu unterhalten Eine Angeborenee geistesschwäche mittleren grades besteht. Auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt als dauernd erwerbsunfähig Anzusehen.

25.8.1952

Amtsgericht Kassel AZ : Abt.11 / 11 VIIV S 122

Mit einer Besserung der geistigen Leistungsfähigkeit der Schreyer ist nicht zu rechnen.

22.10.1952

bestalung eines Pleger Erich Münstermann Kassel

12.7.1962

Versorgungsamt Wiebaden Dr.Veh/H

Sie leidet an einem Schwachsinn mitleren grades. Erheblicher Kritigschwäche und Haltlosigkeit mit einer so weit gehenden Besserung das eine Entlassung in nabsehbarer zeit zu versuchen wäre ist nicht zu rechnen.

11.6.1954 Akt.-z.II 33-Sch.176 LWV Hessen Kasssel

Betr : Elfriede Schreyer Geistesschwache erhlten im Allgeneinen kein Taschengeld.

31.8.1961 LWV Hessen Dr.V-/H.

Az.:III 49-Sch,170

Die Voraussetzung der Ziffer 7 FRV liegen weiter hin bei der Patientin der Ziffer

7 FRVliegen weiter hin bei der Patientin vor Es handelt sich bei ihr um einen Schwachsinn mittleren gradesUrsache für die kritikunfähigkeit der Patientin ist.Ihre noralische und etmiscvhe begriffs-auffassung ist recht verschwommen.Bei ihrer sexuellen Triebhaftigkeit und Haltlosigkeit besteht immer die große gefahr, das die Patientin wenn sie nicht unter dauernder Heimbeaufsichtigung steht moralich verwarlost.So ist sie nicht in der Lage irgendwelche Arbeiten ausreichendd sorgfältig zu verichten.

gezeichnet b.w.

Elfriede Schreyer ist mehr mals aus dem Kalmenhof entwicht. In den 60 ger Jahren hat sie da durch einen Mann kennen gelehrt. Beide haben sich verlobt mit der absicht auch zu heiraten, Sie hat in seihnen Haushalt gearbeitet.Leider wurde Elfriede von der Polizei zurück in den Kalmenhof gebracht. Herr Maus schrieb aber immer noch Briefe an ihr. Der Direktor Ilge aus dem Kalmenhof lies den Brief kontakt Gerichtlich verbiten und drohte Herrn Maus mit einer Klage. Als das aber nichts half, nahm er Kontakt mit den Bürgermeister von Hoffheim auf. Der Bürgermeister sollte Herrn Maus da zu bewgen den Kontakt zur Elfriede Abzubrechen. Wenn das nicht gelingen sollte drohte Herr Ilge mit einer Klage gegen herrn Maus. Verführung einer Geistesschwache im obhut des LWV Hessen.So mit zog sich Herr Maus zurück.

Ab 1963 war die Akte nicht mehr geführt.


WIESBADEN Frühere Heimkinder haben eine Interessengemeinschaft gegründet: Sie wollen entschädigt werden für erlittenes Unrecht, Prügel und Zwangsarbeit. Zu ihnen zählen Elfriede Schreyer und ihr Sohn Heinz-Dieter, die lange Jahre im Idsteiner Kalmenhof gelebt haben.

Von Kurier-Redakteur

Christoph Cuntz

Wenn sich Heinz-Dieter Schreyer an seine Jugend erinnert, sieht er vor seinem geistigen Auge den Kalmenhof in Idstein, der sich damals Heilerziehungsheim nannte. In seinem Tagtraum tritt er vor seine Mutter, die wie er dort untergebracht war. Und die ihn fragt: "Heinz-Dieter, was machst Du hier?" Und er antwortet: "Ich bin auf der Suche nach dem Verlorenen, nach meiner Kindheit, meiner Jugend, meinem Selbst." Seine Mutter Elfriede antwortet: "Mein Sohn, das alles habe ich auch verloren und noch viel mehr."

Die heute 73-Jährige, die in einer Altenwohnanlage in Klarenthal lebt, war 1943 zur Waisen geworden, nachdem ihre Eltern bei einem Luftangriff in Kassel ums Leben gekommen waren. Das Kind war zunächst in die "Landesheilanstalt Eichberg", dann auf den Kalmenhof gebracht worden, Ärzte hatten ihm "Schwachsinn mittleren Grades" bescheinigt. Damit hätte sie wohl dem Euthanasie-Programm der Nazis zum Opfer fallen sollen. Dessen Ziel war es, "lebensunwertes Leben" auszurotten. Sie entging dem "Gnadentod". Vermutlich mehr aus Zufall.

Auch nach dem Zusammenbruch der Hitler-Diktatur musste sie im Kalmenhof bleiben. "Sie wird stets Überwachung und Führung nötig haben", heißt es 1946 in einem Bericht über sie. Später, nachdem sie Mutter geworden war, wurde ihr "sexuelle Triebhaftigkeit" unterstellt.

Solche Sätze sind festgehalten in ihrer Akte, die sich ihr Sohn besorgt hat. Die kopierten Unterlagen hat er in einen gelben Umschlag geheftet. "Anna Elfriede Schreyer, geboren am 9. März 1931, in Freiheit lebend seit 1970" steht darauf. Und: "Ein Leben immer am Rande der Gesellschaft".

An Schläge mit dem Rohrstock erinnert sich Elfriede Schreyer. Daran, dass sie "mit Kerlen" abhaute und dabei "erwischt " wurde. Sie arbeitete in einer Bäckerei in Idstein, ohne jemals Lohn erhalten zu haben. Sie kochte in der Kalmenhof-Küche und servierte das Essen. "Elfriede wurde als Faktotum gehalten", sagt Gertrud Zovkic, die 1966 als Psychologin im Kalmenhof angefangen hatte. Dort hatte sie unfähige Erzieher und "mittelalterliche Zustände" kennengelernt. Öffentlich prangerte sie die "autoritären und demagogischen

"Die Menschen waren ausgeliefert"

Praktiken" des damaligen Kalmenhof-Direktors an. Denn die Prügelstrafe hatte im Kalmenhof bis Ende der 60er Jahre System. Einer der Erzieher etwa hatte mehrere seiner Zöglinge als "Prügelgarde" eingesetzt, die andere Schüler, mit denen er nicht fertig geworden war, zusammenschlug. Das Wiesbadener Schöffengericht verurteilte den Mann deshalb zu 100 Mark Geldstrafe. Ihm wurde gekündigt. Aber auch der Psychologin Zovkic, die als linksradikal abgestempelt wurde, weil sie zusammen mit der Schwester der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof studiert hatte.

"Die Menschen waren ausgeliefert, therapeutisch wurde nichts mit ihnen gemacht", sagt die heute 72 Jahre alte Psychologin, die nach ihrer Kündigung erst wieder in Düsseldorf eine Stelle gefunden hatte. Elfriede Schreyer etwa sei durch ihre Kindheitsängste traumatisiert gewesen. Sie habe "schwerste Defizite in der Sozialisation" gehabt, ohne eine Chance, diese aufzuarbeiten. Die angebliche "sexuelle Triebhaftigkeit" sei dem "miefigen, kleinbürgerlichen Denken" der Anstalt entsprungen, die geglaubt habe, so etwas ließe sich mit Strafe verhindern: Dem "Faktotum" wurden die Haare geschoren, wenn es mal wieder zusammen mit einem "Kerl" erwischt worden war.

Dass Elfriede Schreyer 1970 dem Kalmenhof entkam, dass sie in Auringen für eine Zwischenzeit eine Stelle und später einen Mann fand, all das hat sie dem Einsatz der Psychologin Zovkic zu verdanken. Die erinnert sich auch noch an ihren Sohn, den sie als hospitalisiertes Kind beschreibt: Heinz-Dieter Schreyer hatte seine Mutter zum ersten Mal 1967 gesehen, als er nach einer Odyssee durch hessische Kinderheime endlich in den Kalmenhof kam. Er weiß noch den Code "K 78 E", der in seine Anstalts-Kleider eingenäht war, kann sich an die Strafe erinnern, die er erhielt, weil er nachts mit anderen in den Betten getobt hatte: Der Junge musste zusammen mit den anderen Jungen barfuß im Schnee stehen, "bis wir umfielen". In Armeeklamotten und in zu kleinen Stiefeln habe er mit den anderen raus aufs Feld gemusst, Mohrrüben sammeln. "Wir galten als Idioten", sagt er. Und als er kürzlich zum ersten Mal in seine Akte blickte, bekam er es amtlich, dass man ihm den Abschluss einer Lehre nicht zutraute. Eine Fehleinschätzung: Heinz-Dieter Schreyer legte 1975 seine Prüfung als Malergeselle ab. Heute verdient er seinen Lebensunterhalt als Angestellter und ernährt seine Familie.

Nun, mit 48 Jahren, macht er sich daran, seine Lebensgeschichte Stück für Stück aufzuarbeiten. Entgegen früheren Vorsätze ist er doch noch einmal zum Kalmenhof gefahren. "Mein Herz klopfte und in mir stürzte die Schutzmauer ein", beschreibt er seine Gefühle.

Er hat im Kurier gelesen, dass sich eine Bundes-Interessengemeinschaft gegründet hat, die sich für misshandelte und missbrauchte Kinder einsetzt. Er hat die Initiatoren angeschrieben. Und er hofft auf Unterstützung für sein Anliegen. Denn Heinz-Dieter Schreyer möchte eine Entschuldigung für das, was ihm widerfahren ist. Und er möchte, dass seine Mutter für die Zeit im Kalmenhof Rentenansprüche geltend machen kann. "Was ist ihr geblieben außer der Erkenntnis, im Kalmenhof schwer gearbeitet zu haben?."

Das Kulturzentrum Eichberg lädt heute um 14 Uhr im KuZ-Seminarraum zu einem Vortrag von Peter Sandner ein. Der Historiker vom Hauptstaatsarchiv Hessen referiert über das Thema "Gut organisiert - Die Verantwortung der Verwaltung an der systematischen Tötung von psychisch Kranken am Beispiel Eichberg".